HIV, die Zweite

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Tja, dann 1983: Frauen ohne bisher bekannte Risikofaktoren sind auch infiziert, eine neue Dimension erscheint auf der Bildfläche….die Öffentlichkeit reagiert, mit Diskrimination, Stigmatisierung und Angst.  Schnell kommen Gedanken wie Isolierung der Betroffenen, „bloß nicht anfassen“  und ähnliches auf. Betroffenen wird die Wohnung gekündigt, der Arbeitsplatz gekündigt, sie werden regelrecht „ausgegrenzt“. Und parallel entsteht ein neuer Focus der Erkrankung: Afrika, der dunkle Kontinent tritt auf die Bildfläche…Mediziner dort beginnen zu realisieren dass das was sie alltäglich in ihrem Alltag sehen eine Verbindung zu dem hat was in den Fachzeitschriften als „Amerikanische Schwulenkrankheit“ bezeichnet wurde und noch wird. Auch tauchen in europäischen Kliniken immer mehr Menschen aus den ehemaligen Kolonien auf die dieses Krankheitsbild zeigten. Nur das diese nicht ins Bild passten, sie hatten keine  homosexuellen Kontakte, keine Bluttransfusionen erhalten oder i.v. Drogen konsumiert. In diesen Patienten zeigte sich häufig nun das Kaposi Sarkom, eine in Zentralafrika bekannte Erkrankung, aber nun sehr aggressiv und therapieresistent.  Im Oktober  untersuchte ein Team um Dr. Peter Piot, ein Virologe aus Belgien, und Dr. Joseph B. McCormick,  Patienten in Kinshasa, Zaire, sie bestätigten was afrikanische Ärzte berichteten und was man an den Fällen der nach Europa gereisten Erkrankten feststellte,  AIDS in Afrika wird überwiegend heterosexuell übertragen und dies im großem Umfang. Berichte darüber stießen bei vielen in den entwickelten Ländern, insbesondere der Politik, auf Unglauben, nichtsdestotrotz startet in Kinshasa das Projekt SIDA, als Direktor fungierte Dr.  Jonathan Mann.  Beide, J. Mann und P. Piot sollten im weiteren Verlauf der Dinge im Bereich AIDS herausragende Rollen spielen.

1983 wurde auch ein bisher unbekanntes Virus isoliert das als mögliche Ursache der Erkrankung vorgestellt wurde. Im weiteren Verlauf sollten sich zwei Forschergruppen um Luc Montagnier (Frankreich) und Robert Gallo (USA) streiten wer denn nun der erste war, der beschrieb das Lymphadenopathie assoziierte Virus (LAV) oder HTLV-III   als Auslöser für dieses „AIDS“ gelten konnte.  In Deutschland wird im September die AIDS-Hilfe in Berlin gegründet, das große Sterben hatte mittlerweile auch Deutschland erreicht.

1984: Ich war mittlerweile 18 Jahre alt, hatte von AIDS gehört, war ja damals nicht zu überhören als eine Massenhysterie und Panikmache sondergleichen durch die Medien schwappte.  Ich ging zur Schule, vergnügte mich mit dem was ein 18-jähriger so treibt und fing langsam an aufzuhorchen. Begriffe wie „Isolation“, „Wegsperren“ und „Unnatürlich sich verhaltende Menschen“ tauchten auf. Es galt ja nach wie vor, AIDS ist ein Problem der Randgruppen, darum der Ansatz die Randgruppen zum einen verantwortlich zu machen und zum anderen zu verhindern dass es auf die Allgemeinbevölkerung übergreift.

Es begann sich abzuzeichnen dass es sich bei LAV und HTLV-III um ein und denselben Virus handelte und ein Rennen um einen Nachweistest begann, nicht unbedingt nur zum Wohle der Menschheit sondern auch zur kommerziellen Gewinnschöpfung. Gedanken kamen auf das es in zwei Jahren eine Impfung gegen die Krankheit geben könnte. In San Francisco wurden durch die Behörden Bars und Clubs der  Schwulenbewegung geschlossen, eine Diskussion über Bürgerrechte begann. In Amsterdam startet ein kleines Spritzen- und Nadelaustauschprogramm.  Es wurde geforscht, unter anderem an Ursprung und Verbreitung der Erkrankung. Nachdem bereits 1983 eine Verbindung zwischen Zaire und Haiiti vermutet wurde erschien nun Patient 0 in der Geschichte, ein kanadischer Flugbegleiter der zu vielen Erkrankten in den USA in Verbindung gebracht werden konnte. Ende des Jahres wurden in den USA bisher ca. 7700 AIDS Fälle und ca. 3700 Todesfälle berichtet, in Europa ca. 760 Fälle, davon z.B. 108 Fälle und 46 Tote in Großbritannien, ca. 150 Fälle in Deutschland.

In Afrika zählte niemand. Es hat niemand die Toten gezählt und der “dunkle Kontinent” zählte nichts.

1985 war ein tolles Jahr. Ich durfte, nach bestandenem Abitur 84 und einem Semester Physikstudiums meinen Zivildienst ableisten. Bin dann nach Berchtesgaden ins Krankenhaus. Witze über die „seltsame“ Erkrankung gehörten zum Tagesablauf. Zum Glück gab’s die „Schwarzwaldklinik“ im Fernsehen, haben das wöchentlich gemeinsam geguggt um uns fortzubilden im Umgang mit Patienten. Intern wurden Wetten abgeschlossen wer denn nun den ersten „AIDS“ Patienten entdecken würde im KH. In meiner Zeit dort tauchte dort keiner auf…

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