HIV, die Vierte

HIV, die Erste                    HIV, die Zweite                       HIV, die Dritte

In den frühen 90er Jahren prägten die Ereignisse um die deutsche Einheit das öffentliche Leben in Berlin. Ich studierte vor mich hin, lebte, liebte und hörte immer mehr über HIV-Betroffene aus der Schwulen- und auch der Drogenszene der Stadt. HIV war durch die öffentlichen Kampagnen und wohl auch durch die räumliche Nähe zu den Hochrisikogruppen der Metropole Berlin nun auch bei mir Kopf etwas mehr angekommen. Eine befreundete Medizinstudentin machte ein Praktikum in der HIV/AIDS-Abteilung des Auguste-Viktoria-Krankenhauses und erzählte mir desöfteren über ihre Eindrücke dort. Ich bewunderte sie für ihren Mut und ihr Engagement, für mich war das jedoch nichts, diesen hauptsächlich jungen Betroffenen beim Sterben zuzusehen.

Mehr und mehr wurde an HIV und AIDS geforscht, immer neues wurde bekannt nur ein Heilmittel war nicht in Sicht. Das verfügbare AZT zeigte zwar einen Effekt, auch in der Prävention der Übertragung von der Mutter auf das ungeborene Kind, aber es war eben nur bedingt wirksam. Auch mehrten sich Stimmen die an der ganzen HIV/AIDS-Theorie zweifelten, sie fanden auch reichlich Gehör. Noch im Jahre 2000 sollte in Südafrika der Präsident Mbeki an HIV als der Ursache von AIDS zweifeln. Ausgerechnet dort, im Süden Afrikas wo AIDS am meisten um sich griff. Aber es gab durchaus positives, neue Medikamente wurden entwickelt, die Aufklärungskampagnen erreichten mehr und mehr Menschen und zeigten in einigen Ländern erste Erfolge. Dr. Jonathan Mann war 1990 als Direktor des AIDS-Programms unter Protest gegen eine zögerliche und ineffektive Politik zurückgetreten, das Programm lief weiter und sollte ab 1996 unter einer vereinten Anstrengung verschiedener Organisationen der UN (WHO, UNDP, UNICEF, UNFPA, UNESCO und der Weltbank) als UNAIDS weitergeführt werden. Erster Direktor wurde Dr. Peter Piot. !995/96 zeichnete sich dann auch auf der Therapieseite ein Durchbruch ab, die sogenannte Kombinationstherapie wurde getestet und eingeführt. Man sprach vom Lazarussyndrom, Menschen mit HIV, dem Tod geweiht verliessen unter dieser Therapie in deutlich gebessertem Gesundheitszustand die Krankenhäuser. Man sprach nun von einer “chronischen Erkrankung ähnlich dem Diabetes”. Spannung und Euphorie griff in den Fachkreisen um sich. Aber auch Ernüchterung, die am meisten betroffenen Länder Afrikas und Asiens würden eine solche Therapie nicht für alle Betroffenen bezahlen können. Dennoch, als ich 1996, nach nun einigen Jahren ärztlicher Tätigkeit in England und Deutschland in Berlin den Kurs für Tropenmedizin und Public Health absolvierte war ein Ausspruch eines Dozenten: “Es leben immer noch mehr Menschen von AIDS als mit AIDS”, somit umschreibend welche finanziellen Mittel trotz aller Hürden in die Forschung, Prävention und Therapie der Erkrankung flossen.

1997, mit Medecins sans Frontieres (“Ärzte ohne Grenzen”), zum Arbeiten in der medizinischen Nothilfe in Uganda, hatte HIV und AIDS dann mein Leben auch endgültig und hautnah erreicht.

Wird fortgesetzt….

HIV, die Erste                    HIV, die Zweite                       HIV, die Dritte

  1. Du hast noch keine Kommentare.
  1. No trackbacks yet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: